Theorien zur Einführung von Technologien

Es gibt eine Reihe von Vorschlägen, die beschreiben, wie Innovationen und Technologien am Markt aufgenommen werden. Sie helfen dabei, den aktuellen Stand von Technologien und Innovationen am Markt einzuschätzen.

Diffusionstheorie nach Rogers und Moore

Bekannt ist der Ansatz von Rogers (2003), der die Adaption von Technologien bzw. die Verbreitung von Technologien anhand der erreichten Zielgruppen beschreibt: Die ersten 2,5 Prozent der potentiellen Nutzer/innen einer Technologie bezeichnet er als ‚Innovatoren‘ und beschreibt diese als aggressive Verfolger/innen von neuen technologischen Trends. Danach folgen die ‚Early Adopters‘ (‚frühe Übernehmer‘). Diese sind seltener Technologinnen oder Technologen und kaufen diese Produkte, weil sie damit Visionen verbinden. Selbst wenn diese beiden Gruppen erreicht wurden, ist noch nicht abgesichert, dass eine Technologie auch Markterfolg haben wird und die weiteren Gruppen der ‚frühen Mehrheit‘ (engl. ‚early majority‘), also eher konservative, aber für Neues offene Personen,
oder auch die ‚späte Mehrheit‘ der älteren, schlechter ausgebildeten und konservativen Personen (engl. ‚late majority‘) und schließlich auch die Nachzügler/innen erreicht. Rogers beschreibt also mit seinem Modell die Art der Diffusion von technologischen Entwicklungen bei Zielgruppen.
Moore (1999, 12ff) erweitert das Modell und nennt die Herausforderung „Chasm“, die Kluft, die überschritten werden muss, damit der Erfolg möglich ist, und gibt dazu in seinem viel zitierten Buch „Crossing the Chasm“ Empfehlungen.
Ist dieses wirtschaftliche Konzept für Technologieeinführungen ohne Weiteres auf technologiegestütztes Lernen zu übertragen? Diskutieren Sie dazu, was genau der ‚Markt‘ ist und in welcher Weise Innovationen hier ‚Produkte‘ sind.

Hype-Zyklus nach Gartner

Ein bekanntes Modell zur Beschreibung des Standes von Technologieeinführungen ist der Hype-Zyklus von Gartner. Gartner ist ein Beratungsunternehmen, das sich unter anderem auf die Bewertung und Prognose von technologischen Trends spezialisiert hat. Es hat dabei den Hype-Zyklus als typischen Prozess bei der Einführung neuer Technologien entwickelt (siehe Abbildung 1).
Abb. 1: Hype-Zyklus nach Gartner
Wo lassen sich Ihrer Meinung nach derzeit Begriffe wie ‚E-Learning 2.0‘, ‚E-Portfolio‘ und ‚Personal Learning Environment‘ auf dem Hype-Zyklus einordnen? Ergänzen Sie eigene Begriffe.
Der Hype-Zyklus wird in fünf Phasen unterteilt, die mit (1) technologischer Auslöser, (2) Gipfel der überzogenen Erwartungen, (3) Tal der Enttäuschungen, (4) Pfad der Erleuchtung und (5) Plateau der Produktivität bezeichnet werden. Obwohl der Hype-Zyklus nach rechts eine zeitliche Dimension beinhaltet, können einzelne Trends diesen Hype-Zyklus schneller durchlaufen als andere. Gemein haben sie alle, dass nach der Entwicklung oder Entdeckung und einer ersten Euphorie das ‚Tal der Enttäuschungen‘ folgt, aus dem sie nur mehr schwer und mitunter sehr langsam herauskommen. Obwohl nach der Darstellung naheliegend, wird nicht jede neue Technologie zwangsläufig vom Markt akzeptiert und erreicht das ‚Plateau der Produktivität‘.
Auch im Bereich der Lerntechnologien und des Lernens und Lehrens mit Technologien allgemein kann man die hier beschriebenen Phasen, insbesondere die der überzogenen Erwartungen, oft vorfinden. Häufig wird diese Phase auch parallel von (überzogenen) Befürchtungen begleitet, so die Furcht der zukünftigen geringeren Bedeutung der Lehrenden durch den Einsatz von Technologien im Unterricht.
Sammeln Sie Beispiele aus dem Gebiet des technologiegestützten Lernens, für die das Konzept des Hype-Zyklus unpassend erscheint, und diskutieren Sie die Beispiele mit Ihren Mitlernenden.
Weitere Theorien, die bei der Einführung von Technologien Erklärungen für das Geschehen bieten, sind auch ‚Adoptionstheorien‘ (von engl. ‚adoption‘, ‚Annahme‘). Sie werden oft als Teilgebiet der Diffussionstheorien betrachtet und betrachten die Beweggründe einzelner Nutzer/innen.