Fremdsprachliche Lesekompetenz

Die Entwicklung des Lese- ebenso wie die des Hörverstehens ist als notwendiger rezeptiver Ausgangspunkt, als Basiskompetenz für das Lernen und als Input und Impulsgebung für andere, produktive sprachliche Äußerungen, wie Diskussionseinstiege, zu betrachten. 
Auch hier können neue Medien, Social Software und Internetressourcen sowohl in informellen als auch formellen, institutionellen Kontexten von großem Nutzen sein und besitzen, wie bereits einleitend erwähnt, einen hohen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Methoden und Ressourcen. 

Internet als Quelle von Hypertext und Hypermedien

Das Internet bietet eine Fülle an Texten in vielen europäischen Sprachen und Schwierigkeitsgraden und zu jedem nur vorstellbaren Thema. Seit den Anfängen des Web 1.0 bereichern Hypertext, Hypermedien und diverse Hypertext-Nachfolgesysteme (Schulmeister, 2007, 295ff) den Fremdsprachenerwerb und unterstützen mit ihren nicht-linearen Texten vor allem autonome, konstruktivistisch orientierte Sprachenlernende dabei, sich ihre individuellen Lernpfade selbst zu organisieren, rasch an weiterführende Information zu gelangen oder Definitionen und/oder Übersetzungen von ausgewählten Schlüsselwörtern oder Redewendungen zu erhalten (zum Beispiel Britannica, Wikipedia). Auch sogenannte „Cursor Translator“ sind hilfreiche Werkzeuge zur leichteren Erschließung von Texten (zum Beispiel Online-Zeitschriften des Spotlight-Verlags).
Bei manchen Ressourcen, zum Beispiel bei Online-Zeitungen wie bei den New York Times, oder auch bei freien Bildungsressourcen (Open Educational Resources, kurz OER, siehe Kapitel #openness) wie dem Open-Courseware-Projekt vom MIT, gibt es die Möglichkeit der audio-visuellen Rezeption. Dabei werden die Transkripte gemeinsam mit Videoaufzeichnungen wichtiger Interviews, Fernsehdiskussionen oder Vorlesungen online veröffentlicht, sodass Lernende zum besseren Verständnis der Hörtexte die synchron geschalteten Transkripte heranziehen können. Ebenso ermöglichen bestimmte OER-Angebote das Verfolgen von Video-Vorlesungen zusammen mit den jeweiligen Transkripten (zum Beispiel der Stanford University auf iTunesU; vgl. Kapitel #openness).
Wie bei allen Internetressourcen ist jedoch die Evaluierung der Qualität gewählter Ressourcen notwendig. Texte aus zuverlässigen Quellen auszuwählen, ist ein erster Schritt der Qualitätskontrolle. Textmaterialien von qualitativ hochwertigen Websites, wie zum Beispiel von internationalen Kulturinstituten, öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalten mit Bildungsauftrag, renommierten Bildungseinrichtungen oder Onlineversionen von Qualitätszeitungen und -zeitschriften weisen normalerweise die von Sprachenlernenden und -lehrenden erwartete Qualität auf. 

Online-Wörterbücher, Korpora, Konkordanzen und Enzyklopädien 

Neben einer Vielzahl von ein-, zwei- oder mehrsprachigen Online-Wörterbüchern bietet das Internet für fortgeschrittene Fremdsprachenlernende auch Korpora, Konkordanzen und Enzyklopädien in vielen europäischen Sprachen. Einige davon sind frei im Internet verfügbar, andere sind kommerzielle Produkte. 
In der Praxis: Kostenlose Wörterbücher
Multilinguale Wörterbücher
Beispiele für einsprachige englische Wörterbücher

Weblogs, Web-Quests, Wikis, Open Educational Resources (OER) und Social-Bookmarking-Dienste 

Auch Weblogs, Wikis und OER können, sofern sie den geforderten Qualitätskriterien genügen, wertvolle Quellen für authentische Texte sein und sowohl die Entwicklung der Lese- als auch der interkulturellen und kommunikativen Kompetenz fördern. Social-Bookmarking-Dienste helfen bei der Recherche, RSS-Feeds beim regelmäßigen Zugang zu geeigneten Materialien (Rüddigkeit, 2006). 

Kommerzielle Online-Ressourcen zum Fremdsprachenlernen 

Neben einer unerschöpflichen Fülle von frei verfügbaren authentischen, teilweise bereits didaktisch aufbereiteten Texten, bietet das Internet auch Ressourcen auf kommerziellen Plattformen. Die Anbieter/innen sind zum Beispiel Verlage, die für die Abonnentinnen und Abonnenten ihrer Sprachzeitschriften oder die Käuferschaft ihrer Lehrbücher aktuelle, didaktisch aufbereitete Onlinematerialien und Onlinedossiers teilweise gratis, teilweise gegen geringe Gebühren zur Verfügung stellen.