Hörverstehen

Im Netz sind viele fremdsprachliche Audiomaterialien verfügbar, etwa Radio-Streams, Podcasts, kostenlose und kostenpflichtige Hörbücher oder auch Videos (beispielsweise bei YouTube). Podcasting ist ein modernes Multimedia-Phänomen, das vielseitige Möglichkeiten unter anderem für den Unterrichtseinsatz eröffnet (siehe Kapitel #educast). Bei vielen Podcasts handelt es sich oft um die Zweitverwertung von Nachrichtensendungen, Reportagen oder Interviews. Ein umfangreiches Angebot bieten Radio Nacional de España, BBC, NYT, Radio France und die ARD Mediathek. 
Unter den Informationspodcasts finden sich Nachrichten in langsamem Sprechtempo mit transkribierten Hörtexten wie das „Journal en français facile“, die „BBC World News For Children“ und die langsam gesprochenen Nachrichten der Deutschen Welle. Private Podcasts werden von Sprachschulen und Fremdsprachenlehrenden angeboten, die in didaktisierter Form transkribierte Hörtexte und Übungsmaterialien zur Verfügung stellen. Dazu gehören der Schweizer Podclub, das spanische Blog SSL4You von Teresa Sánchez, das französische Blog GABFLE, Breaking News English von Sean Banville und der deutsche Podcast Slow German. (Webressourcen zu diesen und weiteren Beispielen finden Sie unter #sprache auf diigo.com.)

Hörtexte auswählen und bearbeiten

Die Schwierigkeit bei der Suche nach geeigneten Podcasts liegt darin, aus dem reichhaltigen Angebot passende Beispiele auszuwählen, die dem Kompetenzniveau der Lernenden entsprechen, wobei Hörtexte im Vergleich zu Lesetexten nicht überflogen und quergelesen werden können, sondern bei der Unterrichtsvorbereitung der gesamte Podcast angehört werden muss, bevor man entscheiden kann, ob der Text geeignet ist. Oft finden sich schriftliche Kurzzusammenfassungen der Inhalte oder sogar komplette Transkriptionen der Sprechertexte, die die Textvorauswahl unterstützen. Das Hördokument soll den curricularen Vorgaben entsprechen, an die Erfahrungswelt der Lernenden anknüpfen und aktuelle und authentische Kontexte bieten (Heckmann, 2009a). Sollte das Sprechtempo zu schnell sein, kann das Tempo der Hörtexte mit der freien Software zur Audiobearbeitung Audacity oder anderen Audioeditoren verändert werden (vgl. Kapitel #educast). Zudem können die Hörtexte geschnitten und die einzelnen Teile beliebig zu einem neuen Text zusammengefügt werden. Die Audiobearbeitung kann sowohl Aufgabe der Lehrperson während der Unterrichtsvorbereitung sein, als auch eine Möglichkeit, die Lernenden zu aktivieren und ihnen die Gelegenheit zu geben, Hörtexte zu suchen, zu bearbeiten und der Lerngruppe beispielsweise auf einer Lernplattform zur Verfügung zu stellen.

Individuelles Hörverstehen und Partizipation

Im Gegensatz zum traditionellen Hörverstehen frontal im Klassenverband haben die Lernenden über portable Abspielgeräte wie Handy oder MP3-Player von jedem beliebigen Ort aus Zugriff auf die Hördateien und bestimmen das Hörtempo individuell, indem sie den Hörtext anhalten sowie vor- und zurückspulen. Nachdem das Hörverstehen über geschlossene oder offene Aufgaben gesichert wurde, sollte eine produktiv-kreative Phase anschließen, die über den eigentlichen Hörtext hinausgeht. Beim Einsatz von Podcasts bietet es sich an, über die Kommentarfunktion, die viele Podcast-Anbieter/innen in ihren Blogs vorsehen, die Lernenden zu schriftlichen Texten in Form von Meinungsäußerungen oder persönlichen Berichten anzuregen. Eine weitere Form der Partizipation besteht in der Produktion eigener Hörtexte, die anschließend, zum Beispiel bei Audio-Lingua.eu, Sprachenlernenden aus der ganzen Welt zur Verfügung gestellt werden können. Die Möglichkeit der sozialen Interaktion zwischen den Lernenden schafft authentische Schreib- und Sprechanlässe (Heckmann, 2009b, vgl. Kapitel #educast).