Soziale Arbeit im Netz

Das Internet als neues Handlungsfeld in der Sozialen Arbeit wird unter anderen von Warras (2009) thematisiert. Er stellt insbesondere die Frage, ob virtuelle Hilfe auch Soziale Arbeit sein kann. Warras sieht das Internet als zukünftig bestehenden, festen Bestandteil Sozialer Arbeit an und blickt hierbei auf die Möglichkeit zum Einsatz von 'Cyber-Pädagoginnen und -Pädagogen' oder 'Cyber-Streetworkerinnen und -Streetworkern' zur Leistung Aufsuchender Sozialer Arbeit im Netz sowie in der Online-Beratung.

Aufsuchende Sozialarbeit im Internet

Aufsuchende Soziale Arbeit ist ein professionelles Handlungskonzept. Sie 'sucht auf' und begegnet den Menschen, wo sie sind. Ist dies im traditionellen Streetwork die Straße, so könnte es im Cyber-Streetwork die 'Datenautobahn' sein. Ob sich die Aufsuchende Sozialarbeit auf den virtuellen Raum ausweiten lässt, testeten das Team um Pritzens (2011) und Heide des Vereins 'Gangway e.V. – Streetwork/Straßensozialarbeit in Berlin' in einem Modellprojekt. Als Sozialarbeiter beziehungsweise Sozialarbeiterin kenntlich sind sie in sozialen Netzwerken angemeldet und bieten jungen Menschen sozialpädagogische Hilfen nach § 13 SGB VIII. Sie leisten Unterstützung bei schulischer und beruflicher Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt sowie sozialer Integration.
Auch für Wilke und Jankowitsch (2012) des Caritasverbandes für Stuttgart e.V liegt es auf der Hand, das Konzept der Aufsuchenden Jugendarbeit auf das Internet zu transferieren. Sie ließen diesen Transferprozess wissenschaftlich durch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO begleiten. Sie stellten sich zunächst die grundlegende Frage „Wer ist wann im Netz und wo zu finden?“, bevor sie sich für eine Präsenz in sozialen Netzwerken entschieden.
In der Praxis
Zu empfehlen ist eine klare Regelung für die Präsenz im Netz. Fragen zum Datenschutz, zur Kommunikation, zur Zielgruppe, zur Kontinuität der Online-Erreichbarkeit sowie der Integration in den Arbeitsalltag stehen nur beispielhaft für die Bandbreite der Fragen, die im Vorfeld geklärt werden sollten. Grundlage sollte ein Konzept sein, das Antworten auf diese Fragen bereithält und flexibel an die Schnelllebigkeit des Netzes anpassbar ist.
Als Grundlage kann das im Netz frei verfügbare Positionspapier „Mobile Jugendarbeit 2.0. Herausforderungen und Möglichkeiten Mobiler Jugendarbeit im virtuellen Raum des Internet“ der LAG Mobile Jugendarbeit BW e.V., LAK Mobile Jugendarbeit Sachsen e.V. und der BAG Streetwork/Mobile Jugendarbeit e.V. dienen: http://lag-mobil.de/on/uploads/materialpool/querschnitt/mja_2.0_handlungsempfehlungen.pdf [2013-08-24]
  • Lesen Sie das Positionspapier, und heben Sie die Handlungsempfehlungen hervor.
  • Streichen Sie die Empfehlungen, die Ihrem Ermessen nach nicht in Frage kommen.
  • Ergänzen Sie die Handlungsempfehlungen durch fehlende Empfehlungen.

Online-Beratung

Der Beratungsbedarf über das Netz ist hoch – allein im Jahr 2012 sind bei der Nummer gegen Kummer e.V. 11.480 Anfragen per E-Mail nur von Jugendlichen eingegangen. In spezifischen Lebenslagen bietet sich Online-Beratung zur Überwindung persönlicher Barrieren an. Dies kann der Fall sein, wenn die Betroffenen örtlich gebunden, bettlägerig oder auch inhaftiert sind. Zudem bietet die Anonymität und einfache Erreichbarkeit der Beratung im Internet einen niedrigschwelligen Zugang. Dieser Bedarf ist gleichwohl ein Aufgabenfeld in der Sozialen Arbeit, der langsam wahrgenommen und aufgegriffen wird, aber durch die technischen Komponenten und die neuen Kommunikationsformen im Internet nicht ganz einfach zu bewältigen ist. Zunächst wollen grundlegende Fragen beantwortet sein.
In der Praxis
Mit dem Thema Online-Beratung über Chatsysteme hat sich das europäische Projekt Ch@dvice beschäftigt und einen ausführlichen Leitfaden ausgearbeitet:
Seit dem Frühjahr 2013 gibt es die erste hochschulzertifizierte Weiterbildung im Bereich der Online-Beratung an der Hochschule Nürnberg. Einen anderen Ansatz verfolgt das Beratungsportal Juuuport (www.juuuport.de). Mit dem Peer-to-peer-Ansatz bietet es eine Selbstschutzplattform von Jugendlichen für Jugendliche im Internet, auf der sich Jugendliche gegenseitig helfen, wenn sie Probleme im und mit dem Internet haben. 2011 gewann das Projekt den klicksafe Preis für Sicherheit im Internet (Juuuport, 2011).
Welche Ansätze der Online-Beratung wurden aufgezeigt? Worin liegen die Unterschiede? Besuchen Sie die Webseiten von Online-Beratungsstellen im Netz, und machen Sie sich mit dem Angebot vertraut, so dass Sie im Anschluss folgende Fragen beantworten können:
  • An wen richtet sich das Angebot?
  • Wer sind die Beratenden? Welchen fachlichen Hintergrund haben sie? Was kann ich noch über sie herausfinden?
  • Gibt es eine Thematik, auf die das Angebot spezialisiert ist?
  • Erweckt das Angebot Vertrauen? Wenn ja: Warum?

Fazit

Die Profession Soziale Arbeit steckt im Wandel. Digitale Medien gehören inzwischen zum Alltag der Menschen, und so erweitert sich ihr Aufgabenspektrum hinein in die digitale Welt. Das Angebot der Online-Beratung oder der Mobilen Jugendarbeit im Internet sind nur zwei Beispiele für Aufgabenfelder, die das Netz geschaffen hat. Der Ruf an den Bund, die Länder und Kommunen wird zunehmend lauter, medienbildende Aufgaben in der Sozialen Arbeit stärker zu verankern und zu fördern. Fachspezifische Kompetenzen bilden einen ausgezeichneten Grundstock, um gerade benachteiligte Bevölkerungsgruppen dabei zu unterstützen, die Chancen und Möglichkeiten der digitalen Medienwelt effektiver ausschöpfen zu können.
Um Fachkräfte in der Sozialen Arbeit so zu stärken, dass sie verantwortungsvoll und bedarfsgerecht ihre neuen Aufgaben erfüllen können, sollten neue Technologien, Mediennutzung, Internetangebote und medienpädagogisches Grundwissen grundsätzlich in das Aus- und Weiterbildungsangebot eingebunden sein.