Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit

Definition: Eine klare Bestimmung Sozialer Arbeit gestaltet sich aufgrund ihres interdisziplinären Aufgabenspektrums als schwierig. Soziale Arbeit versteht sich nach der aktuellen Definition des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) als Menschenrechtsprofession (nachzulesen unter: http://www.dbsh.de/beruf.html).
Dem Zusammenhang zwischen der Sozialen Arbeit und der Vermittlung von Medienkompetenz für die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen wurde gerade wieder im Medienkompetenzbericht des BMFSFJ (2013) ein besonderer Stellenwert in der Medienbildung zugewiesen. Aber auch für benachteiligte Personengruppen außerhalb des Jugendalters können in der Sozialen Arbeit Tätige eine wichtige Rolle im Hinblick auf ein eigenverantwortliches und gemeinschaftsfähiges Leben übernehmen, beispielsweise in der Sozialen Arbeit mit älteren Menschen.
Nach dem Slogan „Im Alter aktiv sein“ bemüht sich die moderne Soziale Arbeit mit Älteren um innovative Engagement- und Beteiligungsformen sowie eine „Produktivität im Alter“ (Kricheldorff, 2010, 68f.). Neue Medien werden zunehmend ein Teil der Zielgruppenarbeit in der Sozialen Altenarbeit. Dies geschieht derzeit unter anderem durch medienbiografische Aufarbeitung in der Arbeit mit Demenzerkrankten oder durch 'Internet-Patenschaften' zum Einstieg in die digitale Welt und ihre Möglichkeiten, älteres Klientel durch die Nutzung Sozialer Netzwerke vor Isolation und Vereinsamung zu bewahren.
In ihrer Eigenschaft als Beruf am Menschen setzt Soziale Arbeit im Alltagsleben der Klientel an. Ihre Pädagogik kann sich vor der medialen Lebenswelt in allen Altersgruppen, insbesondere in der von (Massen-)Medien beeinflussten Kinder- und Jugendarbeit, nicht verschließen. Medienarbeit und die Medienkompetenz der Pädagoginnen und Pädagogen selbst entwickeln sich daher im Sinne der Förderung ihrer Zielgruppen zu substanziellen Aspekten sozialpädagogischen Handelns (Cleppien & Lerche, 2010, 11).

Lebensweltorientiertes Arbeiten mit sozialen Medien

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Das Handlungskonzept der Lebensweltorientierung in der Sozialen Arbeit nach Thiersch (1993) erfordert eine systemisch-ganzheitliche und situationsbezogene Pädagogik für das Klientel. Im 8. Jugendbericht des Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1990) wurde die Lebensweltorientierung als leitende Handlungsmaxime der Jugendhilfe formuliert. Sie nimmt Menschen außerhalb der gesellschaftlichen Norm nicht als Problemgruppen wahr, sondern zeigt sich offen für die individuelle Lebensgestaltung (Bürgermeister, 2009, 167-169).
Durch die Entwicklung von Lebenswelten zu Medienwelten nimmt die Medienpädagogik in der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit eine zentrale Rolle ein. Bürgermeister spricht vom Praxis-Jargon: 'Das Klientel dort abholen, wo es steht', in einer alltagsorientierten und interessengeleiteten Medienarbeit innerhalb der Lebenswelt einzelner und des sozialen Raumes.
Anknüpfungspunkte für die Praxis bieten sich somit direkt in der Alltagswelt der Menschen. Sie leiten sich von den Bedürfnissen und Interessen der Zielgruppen und ihrer sozialen Umwelt ab. Die Praxismöglichkeiten sind daher vielfältig und auf den individuellen Fall angepasst. So zieht sich die lebensweltorientierte Soziale Arbeit von der Kindermedienarbeit im Vorschulalter, über die Online-Beratung aller Altersgruppen und themenspezifische Projekte mit Zielgruppen aller Art bis hin zur Medienkompetenzvermittlung für Ältere. Ziel hierbei ist stets eine für die Klientel Partei ergreifende, dem Berufsethos der Sozialen Arbeit folgende Methodik, welche sich im Selbstverständnis von Sozialer Arbeit als Menschenrechtsprofession begründet.
Prävention, Regionalisierung, Alltagsnähe, Partizipation und Integration als Grundprinzipien der Lebensweltorientierung lassen sich hierzu auf die medienpädagogische Arbeit übertragen (Bürgermeister, 2009, 167-169).

Medienbildung als Kern Sozialer Arbeit mit Medien

Ziel der Medienpädagogik in der Sozialen Arbeit ist nach Hoffmann (2010) die Vermittlung von Medienkompetenz. Dies entspricht dem hilfeorientierten Selbstverständnis der Sozialen Arbeit, Menschen im Sinne von Teilhabe und freier Lebensführung zu unterstützen. Die eingeschränkte Befähigung im Umgang mit Medien behindert Teilhabe und stellt eine mögliche Ursache für Problemsituationen dar. Dahingegen eröffnen sich bei kompetenter Nutzung neue Möglichkeiten für die individuelle Lebensführung. Medienpädagogische Kompetenz in der Sozialen Arbeit zielt daher auf die Interessen und Bedürfnisse der Mediennutzenden und ihrer Lebensplanung ab (Hoffmann, 2010, 57ff).
Im Kontext Sozialer Arbeit erfolgt Medienbildung lebensweltorientiert. Entsprechend der Definition von Medienpädagogik nach Baacke (1997) können die vier medienpädagogischen Aspekte – Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung - auf die Soziale Arbeit angewandt werden. Als ethisch- und werteorientierte Profession richtet sich der kritische Blick Sozialer Arbeit hierbei vor allem auf die mediale Darstellung gesellschaftlicher Gruppen sowie die Analyse möglicher Fehlentwicklungen, welche zu Spaltung und Teilhabebarrieren führen können. Zugang und Partizipation in der Medienwelt sollen ermöglicht werden, wobei dies bereits auf elementarster Ebene, nämlich der Sprachförderung, beginnt. Hierbei kommt der Nützlichkeit von Medien in der individuellen Lebensgestaltung eine zentrale Rolle zu. Soziale Medienarbeit zielt auf selbstbestimmte, menschendienliche Anwendung von Medienkommunikation und -technologien. Hierzu gehört auch die parteiische Vertretung der Klientel sowie Mediennutzung zu Lobbyzwecken im Sinne des Berufsethos (Hoffmann 2010, 63-65).

Medienpädagogik im lebenslangen Lehrplan der Sozialen Arbeit

Um medienpädagogische Unterstützung durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit gewährleisten zu können, gilt es zunächst, diesen Themenschwerpunk im Curriculum der Hochschulausbildung zu verankern.
Zudem sollte flächendeckend ein alltagsnaher und berufsbegleitender Weiterbildungsansatz angeboten werden, um die Medienkompetenz nicht nur als Thema abzuarbeiten, sondern den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, verschiedene Ansätze kennenzulernen, auszuprobieren, in den eigenen Alltag zu integrieren
und sich an die ständige Entwicklung und Veränderung der digitalen Medien gewöhnen und diese als Möglichkeit wahrnehmen zu können. Hierzu haben Kutscher et al. (2009) ein modular aufgebautes Weiterbildungskonzept für Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit entworfen, welches beispielhaft als Grundlage für Qualifizierungsmaßnahmen herangezogen werden kann.
Auch der aktuelle Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2013) beschreibt ausführlich die Herausforderungen der Mediatisierung des Aufwachsens. Er unterstreicht das Anliegen der Fortbildung von Fachkräften im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, um die Zielgruppe auch im medial geprägten Alltag kompetent zu unterstützen.