Fazit und Kontrollfragen

Multimediale und interaktive Lernmaterialien können jedes Lernszenario bereichern, sofern sie an die Bedürfnisse der Lernenden, der Zielgruppe, angepasst sind und deren Anforderungen gerecht werden. Umfangreiche Medienkompetenzen seitens der Erstellenden sind von Nöten, um diesen Ansprüchen zu genügen. Stellen Sie sich zu Beginn der Entwicklungsphase Ihres multimedialen und interaktiven Lehrangebotes die drei Reflexionsfragen aus der Einleitung. Diese liefern Ihnen einen ersten Anhaltspunkt, welche Materialien Sie benötigen und welche Sie als zusätzliches Angebot zur Verfügung stellen können.
Zum Abschluss der Lerneinheiten – egal mit welchen Medien diese gestaltet wurden – eignen sich kleine einfache Tests bestens, um das Erlernte dauerhafter im Gehirn zu verankern. Daher möchten wir Ihnen nicht nur diese Empfehlung mit auf den Weg geben, sondern auch gleich mit gutem Beispiel voran gehen und Fragen zur Reflexion stellen.
In der Praxis: Videoannotationen
Als konkretes und zeitgemäßes Beispiel für interaktive und multimediale Lernmaterialien möchten wir an dieser Stelle das Thema „Videoannotationen“ näher betrachten und vorstellen. Annotationen sind ergänzende Informationen im Video, die zusätzlich oder nachträglich hinzugefügt werden. Es kann sich dabei um Texte, Bilder, weiteres Videomaterial oder Links auf externe Webseiten handeln (Meixner et al., 2009).
Die Grenzen zwischen dem Produzieren und Konsumieren von Inhalten schwinden spätestens seit dem ‚Web-2.0-Zeitalter’ zunehmend. Spezielle Autorenwerkzeuge kommen meistens bei der Produktion von interaktiven Lehrinhalten mit Hilfe einer Client-Software zum Einsatz. Die zusammengestellten Inhalte können veröffentlicht und den Lernenden zum rezeptiven Lernen zur Verfügung gestellt werden. Dem gegenüber steht eine Variante der Videoannotation, die es allen Benutzerinnen und Benutzern via Webtechnologien gleichermaßen ermöglicht, Videos während des Betrachtens kollaborativ mit Annotationen zu versehen. Welche technischen Umsetzungen gibt es? Um Bildausschnitte mit zeitlicher Erstreckung zu generieren und die Multiperspektivität in Form von Hypervideos zu fördern, empfiehlt sich das Annotationswerkzeug WebDiver (Zahn et al., 2009). Ähnlich wie beim WebDiver können mit der Autorenumgebung SIVA Producer Videoszenen herausgeschnitten und mit Zusatzinformationen angereichert werden (Meixner et al. 2009).
Der edubreak-Videoplayer ermöglicht die bildgenaue, kollaborative Annotation mit Texten, Schlagwörtern, Sprachnotizen und Zeichnungen (http://www.ghostthinker.de). Die professionelle Analyse und das Verwalten von Videos ermöglicht die netzwerkfähige Client-Anwendung DARTFISH Classroom. Ein plattformunabhängiges und frei verfügbares Video-Annotationstool wäre ANVIL. Auch das populäre Videoportal YouTube bietet die Möglichkeit einfache Annotationen in Videos vorzunehmen.
Sollen Videoannotationen in der Lehre eingesetzt werden, ist vor allem das didaktische Design von Bedeutung (Krammer & Hugener, 2005; Vohle & Reinmann, 2012). Mindestens zwei Aspekte sind zu beachten: zum einen die Annotierungsebene und zum anderen das Lernsetting.
Hinsichtlich der Annotierungsebene ergeben sich folgende Unterfragen: Geht es darum, im Videomaterial bestimmte Inhalte/Botschaften zu suchen und zu annotieren oder darum, bestimmte Zeitmarken aufzusuchen, um dort gestellte Fragen zu beantworten? Oder sollen die Lernenden frei Kommentare in Form von Textannotationen einbinden oder das Video mit Schlagwörtern anreichern (Tagging)?
Für das Lernsetting sind folgende Fragen relevant: Werden die Videoannotationen in einer Präsenzphase besprochen oder geschieht der Austausch auch virtuell (synchron oder asynchron)? Welche Art von Videoannotation ist im Rahmen eines Blended-Learning-Ansatzes sinnvoll, wie hängen die virtuelle Lernphase und die Präsenzphase zusammen?
Warum und vor allem wann ist es sinnvoll eine gesamte Vorlesung 1:1 aufzuzeichnen und warum oder wann ist es für die Lernenden hilfreicher, einzelne Abschnitte komprimiert zur Wiederholung bereitzustellen?
Nennen Sie je ein Beispiel, bei dem eine statische Bildfolge gegenüber einem Video den Sachverhalt besser nachvollziehbar darstellt! Gibt es einen Sachverhalt, der mittels Video nachvollziehbarer gestaltet werden kann als mit einer statischen Bildfolge?
In welchem didaktischen Kontext und unter welchen Bedingungen ist der Einsatz von Bildern/Audio/Video/Videoannotationen sinnvoll?