Netzwerke und curriculare Integration

In der tiermedizinischen Aus- und Fortbildung ist es laut §2 TAppV (BGBl, 2006) möglich, Teile der Lehrveranstaltungen durch E-Learning zu ersetzen. Bis zu 25 Prozent der erforderlichen Fortbildungspunkte dürfen durch ‚E-Learning-Maßnahmen’ erworben werden. Alle deutschsprachigen tiermedizinischen Bildungsstätten haben ein gemeinsames Kompetenzzentrum für E-Learning, Didaktik und Ausbildungsforschung (http://www.keldat.org [2013-08-27]) aufgebaut, das unter anderem den Austausch von Lernmedien und die Weiterentwicklung elektronischer Lehre organisiert (Koch et al., 2008).
Die Grundhindernisse des freien Angebotes von medizinischen Lernmedien als ‚Open Educational Ressources’ (OER) sind die medizinische Schweigepflicht, der Datenschutz zur Wahrung der Privatsphäre der Patientinnen und Patienten und die medizinische (inhaltliche) Qualitätssicherung der offen zugänglich angebotenen Materialien. Eine Lösung bieten hier einrichtungsübergreifende Austauschnetzwerke, die die oben genannten Rahmenbedingungen berücksichtigen. In der Humanmedizin wird daher der Austausch von Lernmedien durch Verbundprojekte wie „k-MED“ und „Caseport“ gefördert, die überregional Hochschulen miteinander vernetzen und die aufwendige Erstellung und den Austausch von fakultativen elektronischen Lehrmaterialien erleichtern sollten (Zimmer et al., 2005). Im Fort- und Weiterbildungsbereich gibt es das „Netzwerk Allgemeinmedizin“ (Waldmann et al., 2008; Fischer et al., 2004). Allerdings bleibt es, obwohl technisch durch ‚Shibboleth-Schnittstellen’, ‚Lern-Management-Systeme’ (LMS) und das ‚Shareable Content Objekt Reference Model’ (SCORM) möglich, durch patientenrechtliche Datenschutzfragen schwierig.
Zukünftig wird ein Wechsel von Lern-Management-Systemen zu persönlichen Lernumgebungen (‚Personal Learning Environments’) eine Vereinfachung des Austausches von elektronischen Bildungsressourcen erlauben (Zaucher et al., 2010). Zu klären bleibt, ob zusätzliche (auch elektronische) Lehrangebote die gerichtlich einklagbare Vergabe zusätzlicher Studienplätze nach sich ziehen können.
Das erste humanmedizinische Curriculum, das eine auf das Lehrdeputat anrechenbare Integration von E-Learning als eigenständige ‚Blended-Learning-Unterrichtsveranstaltung’ vorsieht, ist der Modellstudiengang Medizin in Berlin (ab Wintersemester 2010/2011).
In der Pflegeausbildung spielt E-Learning vor allem in den Studiengängen des Pflegemanagements eine Rolle. Die Aus-, Fort- und Weiterbildungszentren für die Pflege sowie die Pflegeeinrichtungen sind immer noch nicht ausreichend mit den notwendigen Infrastrukturen ausgestattet, um neue Lehr- und Lernformen über das Internet umfassend nutzen zu können. Für eine Verbesserung dieser Situation setzt sich der Verein „eLearning in der Pflege e.V.“ (http://www.elearning-pflege.de [2013-08-27]) ein.