Medienpädagogik – immer noch aktuell?

Doch was zeichnet nun die aktuelle Medienpädagogik aus? In der historischen Entwicklung haben wir gesehen, dass Medienpädagogik sich meist in Abhängigkeit von gesellschaftlichen medialen Veränderungen entwickelt und diese Prozesse auch Einfluss auf die medienpädagogische Diskussion haben. Blickt man in den aktuellen medienpädagogischen Diskurs, so sind verschiedene Herausforderungen medienpädagogischer Arbeit beobachtbar: Zum einen sind in den letzten Jahren vermehrt medienpädagogische Konzeptionen entstanden, die informelle Medienaneignungsprozesse auch in Bildungsinstitutionen fruchtbar machen und damit Sozialisationsinstanzen verzahnen. So finden sich verstärkt sowohl in der außerschulischen wie auch in der schulischen Medienarbeit Peer-Education Ansätze, welche vor allem Partizipation von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Studierenden betonen. Gerade partizipative Prozesse in Form von Peer-Education zeigen sich als reflexive Bearbeitung eigener Medienerfahrungen, in der Weitergabe dieser Medienerfahrungen an Peers sowie in der Ausgestaltung des Peer-Education Prozesses durch die Subjekte selbst (Hölterhof & Schiefner-Rohs, im Druck).
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Aus pädagogischer Perspektive wird die Frage nach der Gestaltung von Medienbildungsräumen virulent: Angesichts eines breiten Medienbegriffs, dem sich das Subjekt nicht gegenüber verorten kann, sondern in dem es handelt, hat zur Folge, dass auch Medienbildungsprozesse endinstitutionalisiert werden. Damit gibt es keine klassischen Orte der „Medienkompetenzentwicklung“ mehr, sondern es geht um eine pädagogische Auseinandersetzung mit den Bildungswerten digitaler und sozialer Medien in der sozialen Umwelt. Wichtiger werden dann immer mehr auch informelle Handlungsfelder (Hug, 2000) und Aspekte der Selbstsozialisation (Sutter, 2010). Medienbildung wird zu einem „Selbstgestaltungsprozess“ (vgl. Wolf et al. 2011) mit dem Ziel der Verortung und Verantwortungsübernahme des Subjekts in einer medialen Umwelt, der allerdings, wie Spanhel (2011) zu Recht hinweist, auch entwickelt werden muss.
Eine Entwicklung, die vor allem die Forschung in der Medienpädagogik betrifft, ist eine Veränderung von Medien und deren Nutzungs- bzw. Aneignungsprozesse (vgl. auch Schiefner-Rohs, im Druck). Medien wachsen immer mehr zusammen, weswegen das Erheben einzelner Medienformen (Nutzung von Büchern, Computern usw.) immer weniger verlässliche Daten produziert. Wichtiger wird die Frage nach den medial geprägten Handlungspraxen von Subjekten werden. Darüber hinaus hat vor allem das soziale Netz mit Prinzipien wie Partizipation, Interaktion und Mobilität emergente Nutzungs- und Aneignungspraxen hervorgerufen, welche bisher nur marginal durch die medienpädagogische Forschung untersucht sind. Von daher ist davon auszugehen, dass medienpädagogische Forschung auch in Zukunft vor vielfältigen Aufgaben steht.
In der Praxis:
Literaturempfehlung:

Das Handbuch Medienpädagogik bietet eine Übersicht über die vielschichtigen und vielfältigen Facetten eines kaum klar zu umreißenden Fachbereiches. Die Expertinnen und Experten geben einen umfassenden Einblick in Historie, Bezugstheorien, Methoden und Diskussionsfelder der Disziplin. In der Breite der eingebrachten Diskurse aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen wie Pädagogik, Soziologie oder Kommunikations- und Medienwissenschaft entfaltet der Band seine Stärke und eignet sich auch für Einsteiger, um einen Überblick über das vielschichtige Feld der Medienpädagogik zu erhalten (Sander, U.; von Gross, F. & Hugger, K.-U., 2008. Handbuch Medienpädagogik, München: VS Verlag.).

Begriffe und Theorien sind zentrale Pfeiler einer wissenschaftlichen Disziplin. Die wesentliche Begriffe und Konzepte der Medienpädagogik sind im Buch Medienpädagogik und Medienkompetenz – Beiträge zu Schlüsselbegriffen der Medienpädagogik zusammengetragen. Hier findet man eine sehr gute Übersicht über die aktuelle Diskussion von Leitbegriffen der Medienpädagogik, angefangen von methodologischen Einführungen zur Entstehung (medien-)pädagogischer Leitbegriffe über Diskussionen zur englischsprachigen Diskussion, zu Medienpädagogik, Medienkompetenz und Medienbildung bis hin zu Fragen medienpädagogischer Forschung (Moser, H.; Grell, P.; Niesyto, H., 2011, Medienpädagogik und Medienkompetenz – Beiträge zu Schlüsselbegriffen der Medienpädagogik. München: kopaed Verlag.).

Reader Entwicklungsorientierte Bildungsforschung: Das Thema der entwicklungsorientierten Bildungsforschung wurde im vorliegenden Lehrtext nur angerissen. Ausführlichere Informationen zu dieser Art von Forschung hat Gabi Reinmann in einem Reader zusammengestellt, der unter folgender Website zu finden ist:
http://gabi-reinmann.de/wp-content/uploads/2013/01/Reader Entwicklungsforschung Jan2013.pdf [2013-08-19]