Aufgabe von Medienpädagogik

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Als ein Ziel medienpädagogischer Tätigkeit und Praxis kann der Erwerb von Medienkompetenz bzw. der Ermöglichung von Medienbildungsprozessen gelten. Doch was sich genau hinter diesen Konstrukten verbirgt und wie diese genau zusammenhängen, darüber herrschen aufgrund der unterschiedlichen Referenzdisziplinen der Medienpädagogik unterschiedliche Meinungen vor (Schiefner-Rohs, 2012). Seitdem in den 1970er-Jahren der Begriff der Medienkompetenz von Baacke in die Diskussion gebracht wurde, hat der Begriff viele Debatten rund um das Lernen mit Medien ausgelöst, wobei er aktuell, so scheint es, von Medienbildung abgelöst wird (kritisch dazu u.a. Jörissen, 2011).
Baacke entwickelte Medienkompetenz aus dem Konzept der Kommunikativen Kompetenz von Habermas heraus; hierunter ist „die umfassende Fähigkeit des Menschen zu verstehen, sich zu verständigen, mittels des Austausches von Symbolen sprachlicher und nicht-sprachlicher Art“ (Schorb, 2009, 258). Kommunikationskompetenz, unabhängig von einer direkten oder einer medialen Kommunikation, ist dabei kein Wert an sich, sondern hat als Ziel die Gestaltung und Veränderung des Zusammenlebens der Menschen. Somit ist Kommunikation auf soziale Realität gerichtet (Schorb, 2009, 258). Diese Herleitung ist für das Verständnis von Medienkompetenz zentral: Es geht vor allem in den frühen Formen um gesellschaftliche Kommunikation und um die Herausbildung kritischer und mündiger Bürger. Somit verfügt Medienkompetenz schon aus der Frühform heraus über unterschiedliche Dimensionen, von der reinen Handhabbarkeit von Medien bis hin zur Analyse der Mediensprache und der Reflexion über Medien. Baacke definiert demnach Medienpädagogik als Überbegriff für die pädagogische Beschäftigung mit Medien in Theorie und Praxis, der aus den Bereichen Medienerziehung, Mediendidaktik, Medienkunde, Medienforschung besteht (Baacke, 2007, 4).
Ausgehend vom Ursprungskonzept nach Baacke haben sich unterschiedliche Facetten von Medienkompetenz aufgegliedert (z.B. Rosebrock & Zitzelsberger, 2002). Erschwerend kommt hinzu, dass die Diskussion um Medienkompetenz nicht auf eine Disziplin beschränkt ist. Ausgehend von den verschiedenen Referenzdisziplinen widmen sich beispielsweise die (Medien-)Pädagogik (Tulodziecki, 2005; Spanhel, 2002; Aufenanger, 1999; u.a.), die  Psychologie (z.B. Groeben, 2004; Winterhoff-Spurk, 2000) und die Kommunikationswissenschaft (z. B. Jarren & Wassmer, 2009) dieser Aufgabe. Folgende Tabelle gibt einen ersten Überblick über die Hauptkonzepte von Medienkompetenz aus medienpädagogischer Perspektive:
 
Die Aufgabe von Medienpädagogik ist die Vermittlung und der Aufbau von Medienkompetenz als einer der wichtigen Fähigkeiten in der heutigen medial geprägten Welt.
Aufenanger (1997) Baacke (1998) Tulodziecki (1997) Kübler (1999)
Kognitive Dimension Medienkunde Mediengestaltung verstehen und bewerten

Bedingungen der Medienproduktion und -verbreitung analysierend erfassen
Kognitive Fähigkeiten
Handlungsdimension Mediennutzung Medienangebote sinnvoll auswählen und nutzen Handlungsorientierte Fähigkeiten
Moralische Dimension Medienkritik Medieneinflüsse erkennen und aufarbeiten Analytische und evaluative Fähigkeiten
Ästhetische Dimension Mediengestaltung Eigene Medienbeiträge gestalten und verbreiten Sozial-reflexive Fähigkeiten
Affektive Dimension      
Tab.1: Ansätze und Definitionsversuche der Teilbereiche von Medienkompetenz (Gapski, 2006, 17)
Bei all der Eindeutigkeit, die diese Unterscheidung von Baacke und anderen anscheinend liefert, muss allerdings festgehalten werden, dass die Medienpädagogik über keinen universalen Begriff von Medienkompetenz verfügt. Allerdings gibt es nach Hugger (2008, 95) zentrale Übereinstimmungen aller theoretischen Konzepte von Medienkompetenz:
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Ebenso gibt es Dimensionen, die in allen gängigen Definitionen von Medienkompetenz enthalten sind, wenn auch unter sich unterscheidenden Bezeichnungen, wie kognitive, analytische und evaluative sowie sozial-reflexive Fähigkeiten inklusive moralischer Orientierungen und emotionaler Aspekte (Kübler, 1996).
Stellt man Medienpädagogik in den Vordergrund, so betrachtet man vor allem die Vermittlung und den Aufbau von Medienkompetenz in formellen Lehr-/Lern-Settings in Schule und Hochschule oder der außerschulischen Jugendarbeit. Vor allem für Schule und Hochschule geht es in Zukunft auch darum, Handlungsfelder für den Erwerb von Medienkompetenz und Medienbildung zur Verfügung zu stellen.
Neben Medienpädagogik wird in den letzten Jahren vermehrt auch Medienbildung als Konzept in der medienpädagogischen Literatur diskutiert. Eine Abgrenzung von Medienkompetenz und Medienbildung geschieht nach Schorb (2009) aus drei Gründen: eine gewisse Überalterung des Begriffs ‚Medienkompetenz‘, eine stärkere Betonung von Orientierungswissen sowie eine gewisse Zweckrationalität von Medienkompetenz, d.h. eine starke instrumentelle Betrachtung (S. 50-51). Im Gegensatz zu Medienkompetenz betont das Konzept der Medienbildung vor allem das Subjekt als Ganzes und bringt Begriffe in die Diskussion, die im Rahmen der Medienkompetenzdebatte bisher vernachlässigt wurden, z.B. das Verhältnis des Individuums zur Welt (Marotzki & Jörissen, 2008). Medienbildung „zielt über die bisherigen Bestimmungen von Medienkompetenz hinaus auf ein wachsendes Bewusstsein von der Medialität der Bildungsräume und der Medialität aller Bildungsprozesse. Medienbildung reflektiert die mediale Gestaltung der Bildungsräume und der darin ablaufenden Kommunikationsprozesse. Dies ist die Grundbedingung dafür, dass die Heranwachsenden im Verlaufe ihrer Entwicklung immer besser befähigt werden, ihre Bildungsräume mit Hilfe der verfügbaren Medien eigenständig zu gestalten und die darin ablaufenden Lern- und Bildungsprozesse selbst zu regulieren“ (Spanhel, 2010, 50–51). Nach Hugger (2008) können Medienkompetenz und Medienbildung als „zwei Seiten derselben Medaille“ gesehen werden und Medienbildung betone „vor allem den Aspekt der Freisetzung des Subjekts zu sich selbst und der Medienreflexion“ (S. 97). Beide Konzepte seien integrativ; „(...) wer von dem einen redet, darf das andere nicht vergessen“ (ebenda). Allerdings ist in aktuellen Debatten immer wieder darauf zu achten, welche Perspektive auf Medienbildung eingenommen wird, wie Jörissen aufzeigt: Geht es bei der Perspektive auf Medienbildung um einen Output des Bildungssystems, um ein erzielbares Ergebnis von individuellen Lernprozessen oder um einen „Prozess der Transformation von Selbst- und Weltwissen“? (Jörissen, 2011, 213ff.). Je nach Perspektive finden sich unter dem „Deckmantel“ der Medienbildung ganz unterschiedliche Verständnisse des Gegenstands wieder.