Synchrone Online-Treffen

Der Vorteil örtlich verteilten kollaborativen Lernens liegt zwar darin, dass sich die Teilnehmenden eines solchen Szenarios dann einbringen können, wenn sie dafür Zeit, Ruhe und Energie haben, und dass zwischen den Zeiten aktiver Arbeit die Möglichkeit zum Beiziehen von Literatur, zur Reflexion oder zum Neustrukturieren von Konzepten und Ideen besteht. Dennoch kann es während solcher Lernaktivitäten auch Phasen geben, in denen gemeinsame synchrone (zeitgleiche) Absprachen nötig sind: Mit Tinychat kann man eine kleinere Anzahl von Personen ohne Angabe von Anmeldeinformationen in einen Text-, Audio- oder Videochat einladen; es reicht, dort einen neuen Chatraum zu öffnen und den Personen, die man gerne synchron treffen möchte, den entsprechenden Link zukommen zu lassen. Auch Meetings.io eignet sich als einfach zu nutzendes Werkzeug, um mit einer kleinen Gruppe (max. 5 Teilnehmende) einen „virtuellen Konferenzraum” zu eröffnen.
Für größere Personengruppen und/oder wenn komplexere Szenarien abgebildet werden sollen, können auch Online-Konferenzsysteme zum Einsatz kommen. In einem Google Hangout können bis zu 10 Personen gleichzeitig online sein (zum Beispiel über den Dienst Google+, aber auch via Smartphone durch eine Hangout-App). Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmenden über ein (kostenfreies) Google-Konto verfügen. Hangouts sind eine unkomplizierte Art der Zusammenarbeit, bei der es beispielsweise möglich ist, den eigenen Bildschirm für andere freizugeben. Zudem können Hangouts aufgezeichnet und über YouTube asynchron nutzbar gemacht werden.
Mit Vyew kann man beispielsweise in einer Gruppe textbasiert chatten, auf einem Whiteboard gemeinsam Skizzen anfertigen, sich in Audio- und Videokonferenzen treffen oder Online-Präsentationen abhalten.
Neben diesen umfangreicheren und vorwiegend auf Audio- oder Videochats abzielenden Systemen gibt es auch Dienste, die auf das gleichzeitige gemeinsame Anfertigen von Skizzen, Diagrammen und so weiter sowie das Online-Präsentieren von Webseiten oder PowerPoint-Dateien in Arbeitsgruppen ausgerichtet sind, so genannte Online-Whiteboards. Beispiele dafür sind Twiddla oder Scribblar.
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In der Praxis: Kollaborationswerkzeuge im Einsatz
Die Werkzeuge, die wir hier exemplarisch vorstellen, sind zunächst nicht mehr als genau das – Werkzeuge. Es sind allerdings Werk­zeuge, die den Handlungsspielraum von Lehrenden und Lernenden wesentlich erweitern können (Wageneder & Jadin, 2007). Didaktisch kompetente Lehrende haben so ganz neue Möglichkeiten der kreativen Gestaltung von Lehr- und Lern­settings. Lernende können diese Werkzeuge auf vielfältige Art und Weise für ihr Lernen nutzen. Hier wollen wir nun anhand eines Beispiels darstellen, wie diese Werkzeuge in einem praktischen Lehr- und Lernsetting eingesetzt werden können.
 

Die Lehrveranstaltung ‚eStudy Skills’

Diese Lehrveranstaltung, die an der Universität Salzburg von einem der Autoren angeboten wird, zielt insbesondere auf die Ver­mittlung computerbasierter Lern- und Arbeitstechniken ab (zum Beispiel Recherchetechniken, Kollaborationstechniken und Möglich­keiten der Präsentation von Arbeitsergebnissen). Teil der von den Studierenden zu erbringenden Leistungen ist das ge­meinsame Erstellen webbasierter Tutorials (Selbstlerneinheiten) zu verschiedenen Lerntechnologien.

Aufgabenstellung:

In diesen in Kleingruppen zu erstellenden Tutorials (Kurz-Handbücher mit beschreibendem und erklärendem Charakter) soll ein Thema aus dem Bereich ‚Lerntechnologien’ nach eigener Wahl gemeinschaftlich aufbereitet und für die Ziel­gruppe ‚interessierte Ein­steiger/innen’ ausgearbeitet werden. Der Umfang der Aufgabe umfasst den gesamten Produktions­prozess einer solchen Anleitung – von der Themenfindung über Recherche, Textproduktion, Einbindung von selbst erstellten sowie Fremd-Materialien bis hin zur Überprüfung des Gesamtwerkes auf inhaltliche und rechtliche Aspekte. Die Tutorials sollen mit multimedialen Elementen angereichert werden und die Möglichkeiten für die Integration von Fremdmaterialien in eigene Sei­ten („Einbetten”; siehe unten) nutzen. Die Zusammenarbeit der Studierenden soll wegen der intensiveren Auseinanderset­zung mit den Möglichkeiten und Restriktionen der verwendeten Werkzeuge vollständig online, das heißt ohne persönliche Treffen der Gruppenmitglieder, erfolgen.

Einführung:

Die Gruppen erhalten vor der Umsetzung einen Überblick über Social Media-Quellen, eine Einführung in Recherche­möglichkeiten mit Social Media, Grundlagen des Arbeitens mit Wiki-Systemen, Grundzüge des Urheberrechts, Creative Commons und eine kurze Wiederholung zitatrechtlicher Basiskenntnisse.

Umsetzung:

Für die Suche und Integration von Fremdmaterialien (Fotos, Videos, etc.), v. a. von ‚User Generated Content’ (Bei­spiele siehe Einschub auf der nächsten Seite) stehen sämtliche Social Media-Plattformen (zum Beispiel YouTube oder Slideshare), aber auch Open-Content-Archive und -Suchmaschinen (Archive.org, Creative-Commons-Metasuche etc.) zur Verfü­gung.
Die Medienintegration (‚Widgets’) erfolgt über die Publikationssoftware, aber auch über Verlinken und Hochladen auf den Wiki-eigenen Spei­cherplatz.
In Hinblick auf rechtliche Aspekte wird empfohlen, auf Creative Commons-lizensierte Materialien zurückzugreifen oder auf die Original­quelle zu verlinken. Das Hochladen von Fremdmaterialien ist ausschließlich nach Abklärung der entsprechenden Rechte zu empfehlen, beim Einbetten von Fremdmaterialien via Widgets herrscht noch rechtliche Un­sicherheit in Bezug auf die be­denkenlose Verwendbarkeit. Von der Verwendung von einbettbaren Materialien, die eindeutig unter Verletzung geltender Urhe­berrechte veröffentlicht wurden (zum Beispiel kommerzielle Filmproduktionen, die nicht vom Rechteeigentümer auf YouTube hoch­geladen wurden) muss deshalb abgeraten werden.
Als Werkzeug zur Erstellung von Tutorials eignen sich Text­editoren wie beispielsweise Google Drive oder Wiki-Systeme. Auf­grund der einfachen Integrierbarkeit von Medieninhalten (vor allem Social Media-Inhalte aus Videoportalen wie YouTube) hat sich der Wiki-Dienst Wikispaces speziell für Lernende mit geringem technischen Vorwissen bewährt.
Für die interne Kollaboration entscheiden sich die meisten Arbeitsgruppen aus eigener Initiative für eine Kombination aus einem synchron zu verwendenden Texteditor (zum Beispiel Etherpad) für das Brainstorming bzw. eine erste Materialien­sammlung und einem asynchronen Wiki-Werkzeug für die Ausarbeitung und Gestaltung der Tutorials. Da die meisten Wiki-Sys­teme im Gegensatz zu Etherpad keine zeitgleiche Änderung an Textpassagen durch mehrere Autorinnen und Autoren ohne Gefahr von Text­verlust oder versehentlicher doppelter Änderung erlauben, ist die Kombination aus diesen beiden Werkzeugen in der Praxis empfehlenswert. Bei der Arbeit im Wiki werden dennoch gelegentlich Probleme durch gleichzeitiges Editieren berichtet – zur Vermeidung ist eine zeitliche Koordinierung oder eine Aufteilung der Bearbeitung in Form von Unterseiten des Wikis zu empfehlen. Zur Abstimmung und Koordination innerhalb der Teams können sämtliche – synchrone und asynchrone – Kommuni­kationskanäle verwendet werden.
Für die abschließende Überprüfung und Veröffentlichung verlinken die Arbeitsgruppen die erstellten Tutorials selbst in einem dafür eingerichteten Tumblelog (in einer nicht-öffentlichen Friendfeed-Gruppe) und die Mitglieder der anderen Teams geben dazu ebendort detaillierte Rückmeldung und Verbesserungstipps (nach vorher definierten Kriterien wie Verständlichkeit, Vollstän­digkeit und Gestaltung). In einem weiteren Überarbeitungsdurchgang werden die Verbesserungsvorschläge von den Teams in die Tutorials eingepflegt. Die Tutorials werden anschließend auf einer Webseite verlinkt und stehen damit einer größeren Öffentlich­keit als Nachschlagewerke zur Verfügung.
Werkzeuge für synchrone Zusammenarbeit:
Weiterführende Links finden Sie in der L3T-Gruppe bei Diigo unter Verwendung der Hashtags #l3t #kollaboration #synchron