Didaktische Modelle

Im Gegensatz zur Planung des traditionellen schulischen Unterrichts, der von den Rahmenbedingungen her wenig variiert, ist die Planung klassischer Hochschullehre an Lehrveranstaltungskategorien gebunden und somit –  in gewisser Weise – durch spezifische äußere Rahmenbedingungen, wie die Anzahl der zu erwartenden Studierenden, das Vorhandensein von Anwesenheitspflicht oder auch den Grad möglicher Interaktion, vorgegeben (Flender, 2005). Grundsätzlich lassen sich in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen drei Großkategorien unterscheiden: lehrendenorientierte, anwendungsorientierte und interaktive Lehrveranstaltungen (siehe Kapitel #Lerntheorien; Universität Graz, 2013a).
Als lehrendenorientiert sind beispielsweise Vorlesungen zu bezeichnen, Lehrveranstaltungen also, die auf dem Prinzip der Instruktion basieren, in denen kein prüfungsimmanenter Charakter und keine Anwesenheitspflicht oder Beschränkung der Studierendenzahl gilt und in denen der Prüfungsmodus meist summativ durch einen einmaligen Prüfungsakt am Ende des Semesters festgelegt ist. Diese traditionellen „Frontallehrveranstaltungen“ sind nicht selten auch Massenlehrveranstaltungen mit den bereits genannten Problemen. Aus didaktischer Sicht kann diese klassische One-way-Lehre (Flender, 2005) im Sinne einer Studierendenaktivierung nicht nur durch den oben genannten Technologieeinsatz aufgebrochen werden (Ebner, 2009; Hall et al., 2005), sondern auch durch gezielten Einsatz von Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten auf einem LMS. So kann ein Forum eingerichtet werden, das sich als Interaktionsplattform der Studierenden versteht, indem Studierende Fragen stellen und gegenseitig beantworten können. Die Lehrperson selbst kann in einem angekündigten Rhythmus ungelöste Fragen beantworten oder diese Arbeit an studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übergeben, die ihrerseits Fragen beantworten oder in strukturierter Weise an die Lehrperson weiterleiten können. Aus den häufig gestellten Fragen kann in einem weiteren Schritt ein Forum mit Frequently Asked Questions (FAQ) abgeleitet werden (Budka et al., 2009; Lackner, 2012).
Im Gegensatz dazu sind anwendungsorientierte Lehrveranstaltungen zu sehen, die, wie unter anderem Konstruktions- oder Laborübungen, einen starken Praxisbezug aufweisen. Hier lässt sich die Medienstützung durch eine begleitende Dokumentation des Gelernten in Form von Lerntagebüchern oder Protokollen auf einer Lernplattform erreichen (Lackner, 2012). Auch das Lösen von Fallbeispielen in Form von Simulationen, an die wie in Web-Based-Trainings Quizzes und schriftliche Ausarbeitungen angeschlossen sind, kann zentral auf dem LMS geschehen.
Die interaktive Kategorie umfasst jene Lehrveranstaltungen, in denen Interaktion und Konstruktion von Wissen im Vordergrund stehen. Meist handelt es sich um Veranstaltungen mit prüfungsimmanentem Charakter, die auf dem Prinzip des formativen Assessments aufbauen (Handke & Schäfer, 2012) und neben der Anwesenheitspflicht auch eine Teilnehmendenzahlbeschränkung aufweisen. Hierzu zählen unter anderem Proseminare, Kurse und Seminare, die durch ihre Rahmenbedingungen auch methodische Vielfalt und Abwechslung ermöglichen. Interaktive und studierendenzentrierte Lehrmethoden wie der Flipped Classroom oder das Project-Based-Learning lassen sich in virtuellen und traditionellen Lernsettings ebenso umsetzen wie Game-Based-Learning (#game; Ferriman, 2013), Digital Storytelling (Samusch et al., 2012) oder die traditionellen Formate des Rollenspiels oder Kugellagers (Macke et al., 2012). Als Basis dieses Lehrformats kann ein LMS dienen, auf dem die für die Umsetzung der unterschiedlichen Lehrmethoden notwendigen Werkzeuge und Ressourcen thematisch oder chronologisch geordnet zu finden sind. So eignen sich Forendiskussionen, um das Storyboard eines Digital-Storytelling-Settings zu diskutieren, ein Wiki kann eingesetzt werden, um das Storyboard kollaborativ auszuformulieren und ein Chat zur virtuellen Sprechstunde werden (Lackner, 2012). Durch (un-)beurteilte Lernzielkontrollen mit Feedbackfunktion kann den Lernenden nicht nur ihr individueller Leistungsstand aufgezeigt werden, durch die autokorrektive Konzeptionierbarkeit dieser Übungen wird auch das formative Beurteilen gewährleistet. Die Lehrveranstaltung erlebt, ohne Mehraufwand für die Lehrperson, eine Individualisierung.
Ordnen Sie Ihre Lehrveranstaltungen bitte dem Typus „lehrendenorientiert“, „anwendungsorientiert“ oder „interaktiv“ zu und überlegen Sie, welche didaktischen Szenarien Sie bei den einzelnen Typen anwenden können.
In der Praxis
Um Lehrenden der Universität Graz einen Einblick in die didaktischen Möglichkeiten der Hochschullehre zu geben, wurde zum einen das als multimediales E-Book konzipierte Praxishandbuch „Am Anfang steht der leere Kurs“ entwickelt, das neben einer Erklärung der einzelnen Bestandteile eines Moodle-Kurses vor allem den methodisch-didaktischen Aspekt fokussiert und Tipps und Tricks aus der Praxis bereitstellt (Lackner, 2012). Zum anderen wurde die Mediendidaktische Modellsammlung ins Leben gerufen, die Lehrenden, die sich für Medienstützung ihrer Lehre interessieren, Good-Practice-Beispiele aus der Hochschullehre für die Hochschullehre bietet (Universität Graz, 2013b).