Exemplarische Lehrkonzepte von Fernuniversitäten

Wie sich die Technologien ins Lehrkonzept einbinden lassen und welche Anforderungen sich für die Beteiligten ergeben, wird im Folgenden veranschaulicht. Als erstes Beispiel wird auf die Open University UK als größte Fernuniversität Europas eingegangen. Es folgt die Darstellung fachspezifischer Lehrkonzepte aus der einzigen staatlichen, deutschsprachigen FernUniversität in Hagen. Abschließend wird das Lehrmodell der Universitat Oberta de Catalunya als Beispiel für eine relativ junge und innovative Online-Universität vorgestellt.

Technologieeinsatz in der Open University UK (OUUK)

Die Open University in Großbritannien (gegründet 1969) setzte anfangs ganz traditionell auf gedrucktes Studienmaterial, welches durch Lehrfilme, die in Kooperation mit der BBC entstanden, und Präsenzbetreuung von Kleingruppen durch Tutorinnen und Tutoren in den Studienzentren ergänzt wurde. Seit knapp zehn Jahren wird ein umfassend angepasstes Moodle als zentrale Lernplattform genutzt. Darüber hinaus werden eigene, freie Lerninhalte über die Plattform Open Learn (http://www.open.edu/openlearn/) bereitgestellt. Im Open Learn Labspace (http://labspace.open.ac.uk/) werden ferner allgemein verfügbare Open Educational Resources (OER) gebündelt angeboten (vgl. Kapitel #openness). Zukünftig will die Open University noch mehr IT-Technologien einsetzen und die Abhängigkeit vom gedruckten Studienmaterial verringern. Damit soll neben einer Optimierung der Geschäftsprozesse auch die Gestaltungsmöglichkeit der Studierenden für eigene Lernwege verbessert werden (OUUK, 2012).

Lehrszenarien aus der FernUniversität in Hagen

Der neben dem gedruckten Studienbrief vorhandene „Werkzeugbaukasten“ der FernUniversität in Hagen enthält eine Vielzahl von historisch gewachsenen IT-Tools für die Präsentation des Lehrangebots, der Lehrinhalte sowie für die Kommunikation zwischen Lehrpersonal und Studierenden und für die Vernetzung der Studierenden selbst. Einen guten Überblick hierüber bietet das Wiki „Lehre Praktisch“ (http://wiki.fernuni-hagen.de/lehrepraktisch). Dabei liegt der Medienmix in der Hand der Lehrenden und ist je nach Lehr-/Lernszenario unterschiedlich. Als zentrale Lernplattform wird Moodle eingesetzt, für Online-Übungen eine Eigenentwicklung. Klausuren können als Scan-Klausuren mit automatischer Auswertung angeboten werden. Ebenso werden mündliche Prüfungen bei Bedarf als Videoprüfungen durchgeführt.
In der Praxis: Betreuung großer Teilnehmerzahlen bei der FernUniversität Hagen mit Moodle
Moodle ist in vielen Studiengängen in das Betreuungskonzept eingebunden. Es haben sich unterschiedliche, fachspezifische Lehrszenarien herausgebildet, vom Moodle-Kurs als Material-Container über zeitlich strukturierte Lesekurse mit thematisch analogen und moderierten Foren bis zur kollaborativen Wissenskonstruktion in Lernaktivitäten wie Wikis oder Datenbanken. Es folgen einige beispielhafte Szenarien:
  • BSc Psychologie: Online-Tutorinnen und -Tutoren bieten für circa 4.000 Studierende eine zeitliche und inhaltliche Gliederung des Lernstoffs und beantworten Fragen in thematischen Foren (FeU, 2013c).
  • BSc of Law: Aktuelle Informationen und Materialien werden für ca. 4.000 Studierende in semesterübergreifenden Metakursen bereitgestellt. Auch werden alte Lösungen zu Einsendeaufgaben und Links zu Videobesprechungen von Klausuren zur Verfügung gestellt. Zudem wird ein virtuelles „Mentoriat“ mit fachlicher Expertise angeboten (FeU, 2013d). In solchen Betreuungsangeboten werden Fernstudierende durch nebenberufliche Mentorinnen und Mentoren betreut, die jeweils Expertinnen und Experten ihres Fachs sind und durch ihre Haupttätigkeit meist außerhalb der Hochschule berufspraktische Aspekte in das Studium einfließen lassen.
  • Studienberatung: Es werden „Tipps zum optimalen Einstieg“ für ca. 20.000 Neueinsteigende bereitgestellt (FeU, 2013e).

Lehrmodell der Universitat Oberta de Catalunya (UOC)

Im Lehrmodell der UOC steht die Lernaktivät, die jeweils einen Teil des summativen Assessments ausmacht, im Mittelpunkt des Lernprozesses (UOC, 2009). Ressourcen, Betreuungsangebote und Kollaborationsmöglichkeiten werden, entsprechend des Szenarios, um eine Lernaktivität herum angeordnet. Wird in einem Szenario beispielsweise Wert auf den Diskurs des Inhalts gelegt, werden entsprechende Kommunikations- und Kollaborationstools angeboten. Sollen Studierende, im Sinne der nutzergenerierten Inhalte, die Lehrinhalte um eigene Beiträge erweitern und ergänzen, werden entsprechende Tools, wie etwa Blogs oder cloudbasierte Textverarbeitungsprogramme, zur gemeinsamen Erstellung, Diskussion und Verbreitung zur Verfügung gestellt und müssen Kriterien angeboten werden, die zur Qualitätssicherung herangezogen werden können. Die einzelnen Lernaktivitäten werden zu Beginn jedes neuen Semesters in Lernumgebungen im Virtual Campus der UOC angelegt. Eine solche Lernumgebung steht maximal 80 Studierenden zur Verfügung und wird jeweils von einer Tutorin oder einem Tutor betreut. Um den Lernprozess erfolgreich abzuschließen, müssen die Studierenden die einzelnen Aufgaben bearbeiten und eine kurze Onlineklausur am Ende des Semesters mitschreiben.