Bildungskontexte für den Einsatz von Educasts

Educasts zum selbstgesteuerten, lebenslangen Lernen

Im bildungspolitischen Kontext wird neben der Medienbildung eine lernendenzentrierte Lehrauffassung mit Blick auf die Unterstützung und Förderung des selbstgesteuerten, lebenslangen Lernens erwartet (BLK 2004, 13-30). Die Selbststeuerung des eigenen Lernens ist dabei ein Ideal zur aktiven Bewältigung des durch Globalisierung sowie wirtschaftliche und technische Veränderungen hervorgerufenen Wandels. Im Wesentlichen soll die Verantwortung für viele Aspekte des Lernens in die Hand der Lernenden gelegt werden. Die Lernenden sollen demnach mehr oder weniger die Fähigkeit erhalten, sich selbst zu unterrichten (Simons, 1992, zitiert nach Mandl & Krause, 2001; Dohmen, 1999). Dieser aktive Aneignungsprozess bietet umfassende Möglichkeiten zur eigenen Lernausrichtung sowie zur Überprüfung des Lernprozesses (Arnold & Gómez Tutor, 2007).
Vor diesem Hintergrund eröffnen Educasts mobile und flexible Lernwege, die besonders das selbstgesteuerte Lernen unterstützen. So können die Lernenden den Lernort und die Lernzeit selbst bestimmen. Darüber hinaus können beim Selbstlernen mit Educasts eigene Lernbedürfnisse festlegt werden, sowie eigene Lernziele bestimmt, organisiert und reguliert werden. Vorausgesetzt werden müssen die nötigen Selbstlern- und Medienkompetenzen zur Auffindung, zur Auswahl und zum Rezipieren von Educasts. Auch können durch gemeinsames Rezipieren der Educasts soziale Einbindungen unterstützt und gefördert werden, wie beim gemeinsamen Explizieren, Argumentieren und Rekapitulieren. Die Lernenden beeinflussen beim Rezipieren der Educasts den eigenen Lernprozess selbst aktiv in (meta-)kognitiver, motivationaler, emotionaler und sozialer Hinsicht.

Educasts in institutionellen Kontexten

Bildungsinstitutionen produzieren Educasts mit mehrfacher Absicht: Support der Lernenden, Transparenz der Lehre, Kontaktpflege zu den Alumni der Institution, Steigerung der Reputation der Institution; im Fall von öffentlich zugänglichen Educasts eine Erweiterung der Zielgruppe über den traditionellen Veranstaltungskontext hinaus. So leisten Educasts einen Beitrag als offene Bildungsmaterialien (Geser, 2007, siehe Kapitel #openaccess).
Museen verwenden Educasts beispielsweise, um sowohl im Museum als auch auf einer Museumswebseite Informationen über Ausstellungen und Exponate zu vermitteln.
Unternehmen nutzen Educasts, um öffentlichkeitswirksam auf ihrer Website ihre Produkte zu beschreiben. Mehr und mehr wenden sie Educasts auch intern für die Mitarbeiter/innen-Schulung an, indem beispielsweise Educasts für das formelle und informelle Lernen am Arbeitsplatz bereitgestellt werden.

Educast als Alltagsgegenstand in der Wissensgesellschaft

Während in den zuvor beschriebenen Kontexten Educasts eingesetzt werden, um sich darin vermittelte Lerninhalte anzueignen (zum Beispiel über Sprachen, Zeitalter, Firmenprodukte), ist ein weiterer Bildungskontext die medienpädagogische Veranstaltung, in der Educasts mit den Lernenden entwickelt werden, um eine Auseinandersetzung mit Medien in der Gesellschaft anzuregen:
Aus einer medienpädagogischen Perspektive heraus wird Podcasting als Phänomen der medialen Alltagswelt wahrgenommen (siehe Kapitel #medienpaedagogik). Im Bildungskontext könnten in Medienpädagogik-Workshops die Fähigkeit vermittelt werden, Educasts zu gestalten und sie im Internet für die Öffentlichkeit bereitzustellen. Die Educast-Herstellung würde dann als Mittel vorgestellt werden, um Menschen das Prinzip zu erläutern, kreativ und öffentlichkeitswirksam ihre Sichtweisen auf ein Thema darzustellen und somit ihre gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten zu erweitern.
Educasts sind auch Bildungsgegenstand bei der Förderung von Medienkompetenz.
Diskutieren Sie in Kleingruppen, wie an Ihrer pädagogischen Einrichtung Educasts eingesetzt werden könnten.