Didaktische Gestaltungsmöglichkeiten für den Einsatz von Educasts

Ergänzend zur idealen technischen Umsetzung von Podcasts ist besonders ihre adäquate didaktische Gestaltung zu beachten. Neben den oben aufgeführten lerntheoretischen Überlegungen zum Einsatz von Educasts gilt es, den didaktischen Zweck, den pädagogischen Kontext und das didaktische Szenario zu planen.

Die Planung des Inhalts

Am Anfang steht die Idee, das Thema, welches erlernt oder bearbeitet werden soll. Erarbeiten Sie mit Hilfe eines Drehbuches die genauen Lerninhalte, Lernziele und Produktionswege ihres Educasts. Ein Drehbuch sollte die wesentlichen didaktischen Abläufe umschreiben und alle notwendigen Ressourcen, wie zum Beispiel Produktionsteam, Medien und Zeit, erfassen und einbeziehen. Wichtig für die Lernmotivation ist es, dass der Educast notwendige curriculare Bezüge aufweist. Im Weiteren müssen auch rechtliche Aspekte bei der Produktion eines Educasts beachtet werden, zum Beispiel Urheber-, Nutzungs- und Persönlichkeitsrechte (siehe Kapitel #recht).
Leitfragen zur Erstellung des Drehbuches:
  • Welche Zielgruppe möchte ich erreichen?
  • Welche Lernziele sollen erreicht werden?
  • Welches technische Educast-Format (zum Beispiel Audiocast, Screencast) soll zum Einsatz kommen?
  • Welche Ressourcen (technisch, personell) sind vorhanden?
  • Wie kann ich das Informationsmaterial auf das Wesentliche eingrenzen, strukturieren?
  • Wie gestalte ich die Lerninhalte?
  • Wie sichere und fördere ich die Motivation (Rekapitulieren, Feedback)?
Bei der Einbindung und Erstellung von Educasts sollten Erkenntnisse aus empirischen Studien beachtet werden (zum Beispiel über den Split-Attention-Effekt oder über Lernerfolge bei Audio- und Videomedien, siehe Niegemann, 2008).

Didaktische Szenarien

Im Folgenden werden didaktische Gestaltungen von Educasts in verschiedenen Szenarien aus Hochschule, Schule, Freizeit und Beruf vorgestellt. Beispielsweise werden in der Hochschullehre Vorlesungen immer öfter auf Video aufgezeichnet und anschließend als Educast bereitgestellt. Studierende haben so die Möglichkeit, nicht verstandene Vorlesungspassagen nochmal anzuhören (zum Beispiel zur Prüfungsvorbereitung) oder verpasste Vorlesungen (zum Beispiel aufgrund von Krankheit) nachzuholen. Dieses Ergänzungsangebot wird von Studierenden sehr begrüßt und intensiv wahrgenommen, da es einen hohen Nutzen für das Lernen bietet (Tillmann, Bremer & Krömker, 2012; Rust & Krüger, 2011).
Zentrale Podcast-Portale, beispielsweise an Universitäten, sind ideale Orte im Internet, um außerhalb von Lernveranstaltungen und Arbeitsgruppen das Selbstlernen zu unterstützen und zu fördern. Dabei sind Podcast-Portale nicht nur zentrale Anlaufstellen für fachübergreifende Lernmaterialien, sie unterstützen zugleich zum Beispiel einen hochschulübergreifenden Informationsaustausch in Forschung und Lehre.
Ein Beispiel für den innovativen Medieneinsatz in Forschung und Lehre ist das zentrale Podcast Portal der Bergischen Universität Wuppertal (http://podcast.uni-wuppertal.de/). Das als “Work in Progress” zu verstehende Portal wird stets weiterentwickelt. Ein weiteres Beispiel findet sich bei der Universität Graz (http://gams.uni-graz.at/pug).
Gebündelt nach Fachbereichen, zentralen Einrichtungen und Themen werden durch zentrale Podcast-Portale zunehmend Beiträge aus Forschung und Lehre abrufbar und durch RSS-Feeds abonnierbar sein. Folgende Aspekte unterstreichen das innovative Potenzial:
Screencasts werden meist zur anschaulichen Instruktion benutzt (zum Beispiel Softwareschulungen). Sie können aber auch zur Präsentation von Arbeitsergebnissen in Veranstaltungen genutzt werden. Lernende, die ihre Ergebnisse präsentieren wollen, erstellen mithilfe eines Screencasts ihre Präsentation (beispielsweise Arbeitsergebnisse einer Projektarbeit) und stellen diese zum Herunterladen bereit. Dazu sammeln sie in (durchaus auch verschiedenen) Computermedien visualisierte Darstellungen ihrer Ergebnisse (zum Beispiel Fotos, Webseiten, Präsentationsfolien, Darstellungen in Textverarbeitungsseiten oder Tabellenkalkulationen) und erstellen ein Drehbuch für ihre Präsentation, die sie dann durchführen, indem sie zu einem imaginären Publikum sprechen. Das Publikum ruft die Präsentation online ab. Lernende entwickeln dabei häufig mehr Ehrgeiz als bei einer Präsenzpräsentation, da sie die Aufzeichnung wiederholen können (Zorn, 2010).
Podcasts erlauben es Studierenden, Interviews mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern oder mit Praxisexpertinnen und Praxisexperten durchzuführen, szenische Dialoge zu entwickeln und aufzuzeichnen, sowie eigene Features zu recherchieren und zu entwickeln. Damit kann Studierenden ein realistischer Erfahrungsraum ermöglicht werden. Dies umfasst ebenso die Ausformulierung einer Idee/Konzeption, wie deren Umsetzung. Ein derartiges Praxisprojekt stellt Studierenden sicher, dass über einen langen Zeitraum ihre Arbeitsergebnisse öffentlich zugänglich sind und trägt somit dem Gedanken des Lernportfolios Rechnung.