Lerntheorien und Didaktisches Design – ein Fazit

Der Weg von der Lerntheorie zum eigentlichen didaktischen Handeln ist weit: Lerntheorien öffnen Lehrenden die Augen dafür, was Lernen alles bedeuten kann, aus welchen Perspektiven sich Lernen betrachten lässt, welche vielfältigen Beschreibungssprachen sich dafür eignen und welche Erklärungen naheliegen, wenn man Lernen (wie auch das Ausbleiben von Lernen) nachvollziehen und beeinflussen will.
Lerntheoretische Kenntnisse helfen dabei, eigene implizit wirkende Lernauffassungen zu entdecken und zu verhindern, dass sie didaktische Entscheidungen unkontrolliert lenken oder stören. Auch ideologische Einstellungen mit lerntheoretischen Wurzeln lassen sich letztlich nur durch lerntheoretisches Wissen überwinden (Schulmeister, 2006, 250).
Erkenntnisse aus lerntheoretisch motivierter Forschung (z.B. Studienergebnisse zu lerntheoretischen Teil- oder Partialtheorien und Modellen) können eine Hilfe dabei sein, Vermittlungsformate, Aufgaben zur Aktivierung und Betreuungsformen zu gestalten. Damit unterstützen sie mittelbar den Entwurf didaktischer Szenarien.
Ausgangspukt bei der Gestaltung didaktischer Szenarien sind Ziele. Lehrzieltaxonomien unterstützen die Auswahl und Beschreibung von Lehrzielen, haben allerdings den Nachteil, dass sie sich häufig einseitig auf kognitive Ziele konzentrieren. In ihren Merkmalen sind Lehrzieltaxonomien in vielen Fällen behavioristisch und/oder kognitivistisch geprägt. In jedem Fall ist es empfehlenswert, sich die lerntheoretische Prägung von Verfahrenshilfen (zu denen man auch die Lehrzieltaxonomien zählen kann) bewusst zu machen. Das gilt ebenso für Systematiken aus dem Bereich des ISD, die in einer vor allem kognitivistischen Tradition stehen.
Leider gibt es keinen simplen Weg vom Lernen zum Lehren; Lerntheorien sind daher schlechte Berater in der Frage, wie man didaktisch am besten handeln sollte. Allerdings ist man ebenso schlecht beraten, wenn man sich vom Didaktischen Design gesetzmäßig formulierte Regeln für das Lehren erhofft, mit dem man gesicherte Lernergebnisse erzielt. Der Weg führt also auch nicht direkt vom Lehren zum Lernen. Lehren und Lernen müssen aufeinander abgestimmt werden – und genau das ist eine didaktische Aufgabe, die Wissen, aber auch Kreativität und neben der Unterrichtsperformanz unter anderem Planungs- und Entwurfskompetenz verlangt. Lerntheoretisches und (allgemein) didaktisches Wissen erscheint mir hierfür genauso wichtig wie die Suche nach Leitlinien für das didaktische Handeln, auch wenn es sich dabei nicht um exakte Verfahrensschritte handeln kann. Meine eigene praktische Erfahrung sagt mir, dass wissenschaftliches Wissen (aus Theorie und Empirie) sowohl pädagogischer als auch psychologischer Prägung für die Gestaltung didaktischer Szenarien immer eine Hilfe sein kann, konkretes Entscheiden und Handeln dennoch heuristische Orientierung brauchen.
Schreiben Sie die wichtigsten Stichpunkte heraus, mit denen man verschiedene Lerntheorien kennzeichnen kann, und stellen Sie diese in einer Tabelle zusammen: In welchen Dimensionen unterschieden sie sich? Wie sind Sie auf Ihre Dimensionen gekommen?
Begriffe im Umkreis des Didaktischen Designs ähneln sich und beinhalten doch sehr verschiedene Botschaften und Auffassungen von Lehren und Lernen: Versuchen Sie, in eigenen Worten die Besonderheiten und Unterschiede zwischen (Allgemeiner) Didaktik, Instructional-(System-)Design und didaktischen Szenarien herauszuarbeiten.
Drucken Sie sich die Seite mit der revidierten Bloomschen Lehrzieltaxonomie aus und wenden Sie diese für Ihre nächste Lehrveranstaltung an (oder stellen Sie sich, wenn Sie keine haben, eine mögliche Veranstaltung vor). Versuchen Sie, die Ziele Ihrer Veranstaltung zuzuordnen: An welchen Stellen gelingt dies gut, an welchen nicht? Woher könnten etwaige Probleme kommen? Kommen Sie auf neue Ziele und/oder stellen Sie fest, dass Ziele fehlen? Was folgern Sie daraus?
Zur Gestaltung didaktischer Szenarien wird im Text eine Grundfigur vorgeschlagen (bestehend aus den Komponenten Vermittlung, Aktivierung, Betreuung). Suchen Sie drei Beispiele technologiegestützter Bildungsangebote, in denen jeweils eine Komponente das Szenario besonders prägt (also vom Umfang her dominierend und/oder besonders variantenreich ist). Wie gut eignet sich diese Grundfigur zur Beschreibung Ihrer Beispiel-Szenarien? Welche alternativen Beschreibungen oder Handlungslogiken kennen Sie? Wie unterscheiden sich diese?

Empfehlungen zur weiteren Lektüre

  • Baumgartner, P. (2011). Taxonomie von Unterrichtsmethoden. Ein Plädoyer für didaktische Vielfalt. Münster: Waxmann.
  • Kerres, M. (2012). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote. München: Oldenbourg.
  • Reinmann, G. (2013). Studientext Didaktisches Design. München. http://lernen-unibw.de/sites/default/files/studientext_dd_april13.pdf
  • Schulmeister, R. (2006). eLearning: Einsichten und Aussichten. München: Oldenbourg.